Kurzer Arbeitsweg

Ein langer Arbeitsweg ist verschwendete Lebenszeit. Einige Zeitgenossen reden sich ein, man könne ja die Zeit sinnvoll nutzen und die Tageszeitung lesen, oder ein Buch. Für mich macht es einen Unterschied, ob ich in meinem Ohrensessel auf meinem Lieblingsplatz sitze und ein Buch mit allen Sinnen erfasse und völlig ungestört lese, oder ob ich im Lärm und der Unruhe des öffentlichen Verkehrsmittels mir nebenbei die Texte reinziehe.

Weil ich das schon lange so empfinde, habe ich mich immer wieder darum bemüht, möglichst nahe an meiner Arbeitsstelle zu wohnen. Mein Maximum für die Dauer des Arbeitsweges von Tür-zu-Tür sind 30 Minuten.

Hildesheim – mit meinem Moped musste ich ca. 20 Minuten bis zu meiner Ausbildungsstelle fahren. Später habe ich im gleichen Betrieb noch gearbeitet und hatte mit dem Auto den gleichen Weg. Da das Städtchen Hildesheim sehr klein ist, war das mit den 30 Minuten Arbeitsweg kein Problem. Viele meiner Ausbildungs- und Arbeitskollegen hatten morgendliche Anreisen von über 60 Minuten – Puh!

Wittmund – von meiner Wohnung waren es genau 30 Minuten mit dem Fahrrad zur Arbeitsstelle. Im Winter haben wir mit den Kollegen eine Fahrgemeinschaft gebildet – war auch gut.

Langenhagen – wir haben dort den Ort für das Reihenhaus so ausgesucht, dass ich mit der S-Bahn und der Straßenbahn in Hannover genau in 30 Minuten im Büro sein konnte. Der große Vorteil war, dass die Stadt Langenhagen das Baugebiet damals direkt um die S-Bahn-Station herum geplant hatte.

Berlin – die Wohnungssuche war hier etwas schwieriger. Auf einer großen Berlin-Karte habe ich die S-Bahn-Linien mit farbigen Textmarkern gekennzeichnet. Dann habe ich nach den Fahrzeiten der S-Bahn-Linien einen 30-Minuten-Radius um den Punkt der Arbeitsstelle gezogen. Die Suche nach passendem Wohnraum fand nur im eingekreisten Radius statt. Es hat der „Kollege Zufall“ mitgespielt, sonst hätte ich bei meiner letzten Wohnung womöglich eine längeren Arbeitsweg in Kauf nehmen müssen. Aber jetzt habe ich eine reine Fahrzeit von 17 Minuten und sehr kurze Fußwege von den S-Bahn-Haltestellen zu den Endpunkten.